1. Predigt von Pfarrer Eisend in der neu renovierten Pfarrkirche:(18. Oktober 2009) „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist unseren Augen verborgen.“ – Sie alle kennen dieses Wort von Saint Exupery. Wir sind in unserer neu renovierten Pfarrkirche, die noch nicht ganz fertig ist. Wie geht es Ihnen in diesem veränderten, neuen Raum? Unser Schauen ist geprägt von Gewohntem. So manches sehen wir nicht mehr, was uns vor der Renovierung vertraut und gewohnt war. So manches ist neu und wir stören uns daran, vielleicht gefällt es uns im ersten Augenblick gar nicht. Veränderungen – so ist das – stellen unsere Vorstellungen und Erwartungen in Frage – gerade in so einem Kirchenraum, in dem wir uns sicher und geborgen fühlen wollen. Veränderung bringt zuerst ein kräftiges Durcheinander mit sich, das gerade auch die gefühlten Emotionen ganz schön hoch kochen lässt. In den letzten Monaten und Wochen haben wir uns so allerhand anhören dürfen! – Sich von liebgewordenem zu trennen, tut weh und wird noch schwerer, wenn man nicht genau weiß, wie das Neue aussieht oder werden wird. Ist es nicht so, dass wir uns in unseren Erinnerungen eingerichtet haben dass wir es uns bequem gemacht haben mit unseren Gewohntheiten, in denen sich ein Stück unserer Lebensgesicht birgt? - Aber sind wir mal ehrlich, sind wir in unseren Kirchen und Gemeinden nicht zu einer geschlossenen Gesellschaft geworden, auch wenn wir das eigentlich nicht wollen? Und von diesen unseren Gemeinden bröckelt immer mehr weg – Ich denke wir müssen wieder lernen, von Gewohntem, Vertrautem loszulassen, damit wir wieder den Blick öffnen können für das Wesentliche. Und was ist das Wesentliche, Ursprüngliche, das wir hier suchen und letztlich feiern? Wir müssen wieder Raum schaffen, neu in uns führ IHN – für sein Wort, das wir hier hören, für sein Sakrament, das wir hier miteinander feiern, für seine Gegenwart in uns und unter uns als Gemeinschaft – dieser neu renovierte Raum, den wir neu annehmen, entdecken, lieb gewinnen wollen, will uns und auch alle, die hier herein kommen, dabei helfen, Künstler, Architekten und so manch andere haben mitgeholfen, dass hier ein Raum entstanden ist, der einerseits Wärme und Geborgenheit vermittelt, der aber auch in mancherlei Hinsicht zum Nachdenken gibt und neu herausfordert.! Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist unseren Augen verborgen“ – So wünsche ich Ihnen, dass Sie langsam, nicht schnell, von heut auf morgen! mit unserer renovierten Kirche wieder Freundschaft schließen können und in ihr auf der Suche nach dem Eigentlichen, Wesentlichen bleiben. Das ist letztlich auch der wahre Grund, warum wir z. B. Sonntag für Sonntag hier zusammenkommen und immer wieder neu das Wort Gottes hören und das Heilige Opfermahl, den Tod und die Auferstehung Jesu feiern. Denn ER will uns immer mehr verändern, verwandeln, ja IHM ähnlich machen – Haben Sie noch die Worte Jesu im Ohr, im Herzen? Könnt Ihr den Kelch trinken, den ich trinke – d. h. mit mir leiden? Oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde – d. h. den Tod auf Euch nehmen? Und: Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll ein Diener sein und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Schauen wir hier immer wieder neu auf IHN, der da ist, der uns hier besonders nahe ist – gerade auch die Ewige Anbetung will uns dabei helfen, Mut machen – Nehmen auch Sie sich für die eine oder andere Betstunde Zeit.
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